Caravan Salon 2021: Megatrends

Caravan Salon 2021: Die vier Megatrends beim Wohnmobil

Die Reisemobilcouch stellt die wichtigsten Entwicklungen vor.

653 Aussteller in 13 Messehallen

Der Caravan Salon in Düsseldorf findet heuer bereits zum 60. Mal statt und gilt als die weltweite Leitmesse der Branche. 653 Hersteller präsentieren ihre Neuheiten in 13 Messehallen – und in diesem Jahr auch wieder in voller Präsenz: jeden Tag dürfen 20.000 genesene, geimpfte oder getestete Besucher aufs Gelände.

Die COVID-Pandemie hat den Trend zum Wohnmobil weiter verstärkt. Seit sieben Jahren schon steigen die Zulassungszahlen in Deutschland bereits, und für das das erste Halbjahr 2021 hat der Branchenverband CIVD (Caravaning Industrie Verband) einen weiteren Rekord ausgewiesen: 48.827 Reisemobile wurden in den ersten sechs Monaten neu zugelassen. Bis Ende des Jahres sollen heuer erstmals mehr als 100.000 Neufahrzeuge auf die Straßen kommen. Fast 20 Millionen Deutsche gelten nach Markterhebungen als wohnmobil-affin, mehr als 14 Millionen geben sogar an, dass die Reise mit dem Wohnmobil ihre bevorzugtes Urlaubsart ist. Dabei gibt es eine Reihe von Megatrends der Branche, die der Caravan Salon 2021 widerspiegelt. Die Reisemobilcouch stellt sie vor.

Caravan Salon 2021: Megatrends

Caravan Salon 2021 – Trend 1:

Elektrifizierung

Die Frage ist seit langem schon nicht mehr, ob E-Wohnmobile kommen, sondern wann. Knaus ist nun der erste größere Hersteller, der auf dem Caravan Salon sein erstes vollelektrisches Reisemobil vorstellt. Unter dem Namen e.Power Drive hat Knaus mit Partnern ein eigenes System entwickelt und das Reisemobil Knaus Van TI 650 MEG Vansation damit ausgerüstet. Der Gedanke dahinter ist, dieses typenoffene System künftig in jedes Fahrzeug integrieren zu können. Anstelle des Dieselmotors mit Getriebe befindet sich im Wagen eine Kombination aus Elektromotor und Reduktionsgetriebe. Der E-Motor leistet bis zu 180 kW und ermöglicht eine Reisegeschwindigkeit des vollwertig-ausgestatteten viersitzigen Reisemobils von 120 km/h.

Damit schafft das Wohnmobil rein elektrisch zwar nur 90 Kilometer. Ein zusätzlicher Motor, genannt Range Extender, fungiert aber als Generator und lädt die Batterie ab einem bestimmten Schwellenwert wieder auf. In dieser Kombination sind Reichweiten bis zu 600 Kilometer möglich. Das langfristige Ziel von Knaus sieht anstelle des Wankelmotors auf Benzin- oder Diesel-Basis eine Brennstoffzelle. Der benötigte Wasserstoff soll dann in einem Druckbehälter statt des konventionellen Dieseltanks gespeichert werden.

Bereits 2017 hat Dethleffs auf dem Caravan Salon das allererste Konzept eines Campers mit Elektromotor und eigener Solarstromversorgung vorgestellt. Der e.home setzt nicht nur für den Antrieb, sondern auch für den Betrieb sämtlicher Geräte (Kochen, Heizen, Kühlen) auf Strom, und nicht mehr auf Gas. Vor allem das Heizen benötigt im Wohnmobil viel Energie. Um den Akku zu schonen, wurden in der Karosserie Wärmespeicher-Platten verbaut. Tagsüber nehmen sie Wärme auf, und nachts geben sie sie wieder ab. Außerdem hat Dethleffs den Camper auf dem Dach und an den Seiten mit insgesamt 31 Quadratmetern Solarfolie ausgestattet. Die darauf befindlichen Dünnschicht-Solarzellen schaffen eine Leistung von ca. 3.000 Watt, die den Akku des Wagens laufend aufladen.

Das erste voll elektrische Wohnmobil in Serie hat WOF mit dem Modell Iridium auf den Markt gebracht – mit immerhin 400 Kilometern Reichweite. Neben den noch wenigen vollelektrischen Antrieben gibt es inzwischen zahlreiche Wohnmobile mit Hybridmotoren. Diese stellen aber unter ökologischen Aspekten mit einer rein elektrischen Reichweite von zum Teil nur 50 Kilometern kaum eine Verbesserung zu reinen Verbrenner-Fahrzeugen dar.

Caravan Salon 2021: Megatrends | © Foto: Knaus
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Caravan Salon 2021 –Trend 2:

Kastenwagen

Nach den Zulassungszahlen, die der Caravan-Verband CIVD fürs erste Halbjahr 2021 veröffentlicht hat, zählen zu Camping-Vans ausgebaute Kastenwagen derzeit zu den beliebtesten Fahrzeugen. Sie machen gut die Hälfte der Zulassungen aus. Erst danach folgen die teil- und vollintegrierten Fahrzeuge, auf Rang vier finden sich Alkoven-Fahrzeuge. Der Vorteil der Kastenwagen, ebenso wie der kleineren Camper ist die hohe Alltagstauglichkeit dieser Fahrzeuge. Manche Besitzer verzichten sogar auf einen Pkw und nutzen den Camper oder Camping-Van für sämtliche Fahrten.

Entsprechend umkämpft ist dieser Markt. Zu den vielen etablierten Modellen kommen auf dem Caravan Salon 2021 weitere hinzu, eine Übersicht über alle Aussteller in diesem Segment findet sich hier.

Auch eine Stufe kleiner, bei den Campern wird es immer alltagstauglicher und kompakter. So hat VW die California-Reihe um die Caddy-Variante mit Ausklappbett und ausziehbarer Küche erweitert. Und Mercedes stellt seinen neuen Citan vor: mit Bett, Küchenmodul und der Option eines Aufstelldachs. Diesem Trend zu zusätzlichen Schlafplätzen auf dem Dach folgen inzwischen alle Hersteller von Kastenwagen. Sie kosten um die 4.000 Euro.

Caravan Salon 2021: Megatrends | © Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
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Caravan Salon 2021 – Trend 3:

Natur erleben

Einer der wesentlichen Gründe für Urlaub mit dem Wohnmobil ist das Draußensein. Immer mehr, gerade jüngere Camper suchen Stellplätze in der freien Natur – statt auf dem Campingplatz. Das wird zwar immer schwieriger – dafür bieten immer mehr Bauernhöfe, Brauereien, Winzer, Käsereien, Golfplätze Stellplätze an, die oft wenig überlaufen sind und häufig genau das Wohnmobilerlebnis ermöglichen, das die meisten Camper suchen: einfach irgendwo anhalten und übernachten, wo es gefällt. Und dann Sport in der Natur betreiben: Wandern, Trekking, Klettern, Mountainbiking oder Skifahren – immer mehr Menschen fahren zu diesen Aktivitäten mit dem eigenen Campervan. Daher ist auf dem Caravan Salon die ganze Halle 3 den Themen „Travel & Nature“ sowie „Equipment & Outdoor“ gewidmet. Die Messe Düsseldorf hat für den diesjährigen Caravan Salon die Messehallen umgestaltet und die Outdoor- und Freizeitfahrzeugbereiche miteinander kombiniert.

In der Halle 3 präsentieren sich auch einige der Regionen, in denen sich die Natur besonders gut vom Wohnmobil aus erwandern lässt: unter anderem Kärnten, das Tiroler Zillertal, die Schwarzwaldregion Freiburg, die Julischen Alpen in Slowenien mit dem Triglav-Nationalpark, das portugiesische Alentejo, die griechische Region Epirus, das Siegerland mit den westlichen Ausläufern des Rothaargebirges oder das Lipperland. Alle werben sie explizit um Wohnmobilreisende.

Mehr Informationen zu den Natur- und Outdoor-Angeboten auf dem Caravan-Salon

Caravan Salon 2021: Megatrends | © Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
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Caravan Salon 2021 – Trend 4:

Multifunktion

Nicht wenige Wohnmobilfreunde haben während der Pandemie ihr Fahrzeug zum Home-Office gemacht. Doch das ist nur ein Aspekt des Trends. Camper werden heute für möglichst viele Alltags- und Freizeitaktivitäten genutzt – jenseits der klassischen Wohnmobilreise. Für die Fahrzeuge bedeutet das neben immer mehr Kompaktheit, dass sie viel Komfort und neue Funktionen bieten müssen: heute ein Wohnmobil-Dinner, morgen der rollende Arbeitsplatz – das stellt die Hersteller vor ziemliche Herausforderungen. Das gilt besonders für die Digitalisierung: schnelles Internet, Medien, Vernetzung der Kommunikationsgeräte, die Palette an Zubehör wächst – und damit auch der Strombedarf.

Sunlight hat für sein Konzept „Home Office on Wheels“ das Thema Arbeiten im Wohnmobil komplett neu durchdacht und einen Prototypen entwickelt. Im Zentrum steht ein multifunktionaler, klappbarer Tisch, auf dem Laptop, Monitor, Smartphone, Tablet etc. Platz und sämtliche erforderlichen Anschlüsse und Lademöglichkeiten finden. Zielgruppen für diesen Van sind Berufsgruppen, die viel oder temporär im Außeneinsatz unterwegs sind, und alle, die ihren Beruf überall ausüben können.

Mehr erfahren über das Konzept
 

Mehr Informationen über den Besuch des Caravan-Salons


Quellen:
www.caravan-salon.de
www.civd.de

Text:
Gerd Henghuber

Caravan Salon 2021: Megatrends | © Foto: Sunlight
  • Foto: Sunlight
Caravan Salon 2021: Megatrends | © Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
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