SeaBridge: Was man beim Wohnmobil verschiffen beachten sollte | © Foto: SeaBridge

SeaBridge:
Mit dem Wohnmobil um die Welt

Wie das geht und was man beachten sollte, wenn man das Wohnmobil in die USA oder nach Australien verschiffen möchte.

Das Unternehmen SeaBridge wurde von der Familie Heinemann vor 25 Jahren gegründet, als der Wohnmobil-Boom noch in den Kinderschuhen steckte. Seither hat SeaBridge über 13.000 Wohnmobile in die ganze Welt verschifft. Interview mit der Chefin von Seabridge Denice Heinemann.

Die Idee

1992 mit der Familie in Australien

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Wohnmobiltouren in Übersee zu organisieren?

SeaBridge-Chefin Denice Heinemann: 1992 war es mein Vater, der die Idee hatte. Wir waren damals mit der ganzen Familie im eigenen Wohnmobil durch Nordamerika gereist und einmal durch Australien. Mein Vater machte daraus einen Reiseführer: wie so eine Reise zu bewältigen und zu organisieren ist, was man braucht, und was man in jedem Fall vermeiden sollte. Aufgrund dieses Buchs kamen dann immer wieder Anfragen von Wohnmobilbesitzern, ob er ihnen helfen könnte bei der Organisation einer so weiten Reise. Aufgrund dieser Nachfrage hat er dann die Firma SeaBridge gegründet.

Wie hat sich der Markt seither entwickelt?

SeaBridge-Chefin Denice Heinemann: Am Anfang hatte er vielleicht 50 Verschiffungen im Jahr, heute schickt SeaBridge pro Jahr 1.500 Wohnmobile in die ganze Welt, jedes Jahr ist es mehr geworden. Insgesamt hat SeaBridge in all den Jahren 13.000 Wohnmobile verschifft.

Und wieviele davon liegen heute am Meeresgrund?

SeaBridge-Chefin Denice Heinemann: (Lacht.) Alle sind heil angekommen, die Seefracht ist viel sicherer als der Straßenverkehr.

SeaBridge: Denice Heinemann | © Foto: SeaBridge
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Der Vorteil

Verschiffen ist billiger als vor Ort mieten

Wieso mieten die Leute nicht einfach ein Wohnmobil an ihrem Zielort, sondern lassen es verschiffen?

SeaBridge-Chefin Denice Heinemann: Weil mieten nicht billig ist, das rechnet sich höchstens für kurze, durchgeplante Aufenthalte von vielleicht 2 bis 4 Wochen. Wer aber länger unterwegs sein möchte, kommt deutlich besser weg, wenn er das eigene Wohnmobil nach Amerika, Südamerika oder Südafrika mitnimmt. Außerdem macht das ja genau den Reiz des Wohnmobilreisens aus, dass man spontan dortbleiben kann, wo es einem gefällt und man eben nicht durchgeplant reist. Wohnmobilfreunde wollen sich Zeit lassen, sich treiben lassen. Und nicht zuletzt: die Leute haben sich ihr Wohnmobil ja genauso eingerichtetet und ausgesucht, wie es für sie am besten passt. Wir Wohnmobilisten wissen ganz genau, was wir im unserem Fahrzeug brauchen und was nicht. Zudem sind unsere Fahrzeuge mit einem Verbrauch von meist 12 Liter auf 100 Kilometer viel sparsamer als die amerikanischem Wohnmobile, die schon mal 25 Liter brauchen. Bei einer Rundreise mit oft 20.000 Kilometern in Nordamerika hat man die Verschiffungskosten oft schon durch die Spritkostenersparnis drin.

SeaBridge: Was man beim Wohnmobil verschiffen beachten sollte | © Foto: SeaBridge
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Die Herausforderung

Andere Standards und Anforderungen

Aber ist es wirklich so einfach, etwa in Nordamerika mit dem Wohnmobil loszufahren, einiges dürfte doch anders sein als in Europa?

SeaBridge-Chefin Denice Heinemann: Ja, zum Beispiel Gas besorgen. Europäische Gasflaschen benötigen in den USA einen Gasadapter zur Befüllung bzw. zum Anschließen. Gasflaschen kann man in Nordamerika aber auch einfach im Supermarkt (Walmart) oder an der Tankstelle tauschen. Auch das Thema Strom – in Nordamerika sind es 110 Volt – und die notwendige amerikanische KFZ-Versicherung müssen die Kunden lösen.

Aber all diese Informationen können wir unseren Kunden sehr detailliert und zuverlässig zur Verfügung stellen aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen auf der ganzen Welt. Die reine Verschiffung bieten auch Spediteure an. Wir liefern unseren Kunden neben den ausführlichen Informationen zum Abgabe- bzw. Abholungshafen inkl. Karten, Hotel- & Campingplatzvorschläge, Einkaufs- und Gasfüllmöglichkeiten auch viele Informationen über das Reisen auf dem Zielkontinent, Versicherungen, Visa, benötigte Dokumente und Genehmigungen für die temporäre Einfuhr etc. 

Die meisten unserer Kunden reisen individuell in Übersee. Aber wer es komplett komfortabel haben möchte, für den bieten wir auch durchorganisierte und vorausgebuchte Touren an – wie die Panamericana Tour. Diese Reisen finden dann in der Gruppe statt zu bestimmten Terminen und mit einem Reiseleiter, wobei die einzelnen Fahrzeuge nicht im Pulk fahren, sondern den Tag über allein unterwegs sind. Erst am Abend treffen sich alle wieder. Für jeden Tag gibt es ein Roadbook mit der Strecke und allen Sehenswürdigkeiten 

Kann man so ein Roadbook auch für eine individuelle Reise von Ihnen erwerben und die Strecke dann auf eigene Faust abfahren?

SeaBridge Chefin Denice HeinemannNein, das Roadbook ist Bestandteil einer organisierten SeaBridge Tour und nicht frei verkäuflich.

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Das Motiv

Lebensträume

Woran liegt es, dass der Wohnmobiltrend nun auch bis nach Übersee reicht, ist den Leuten Europa schon zu klein?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Viele Wohnmobilfreunde haben in Europa tatsächlich schon relativ viel gesehen, das ist sicher ein Grund. Bei den Fernreisen geht es aber oft auch um Lebensträume: einmal die Panamericana fahren, einmal die USA von Ost nach West, oder einmal die Transafrika! Viele Menschen haben solche Projekte im Kopf, wenn sie zu uns kommen. Und wir freuen uns, wenn wir bei der Verwirklichung dieser Reiseträume behilflich sein können.

Was ist der besondere Reiz solcher Reisen, die sich ja über Monate ziehen können?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Dass man sich treiben lassen kann, völlig frei ist ohne Zeitdruck. Dass man mit dem eigenen Wohnmobil aber trotzdem immer die eigenen Sachen und das eigene Wohnzimmer dabei hat.

Welche sind die am stärksten nachgefragten Reiseziele?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Nordamerika oder auch die Panamericana entlang, die Seidenstraße bis nach China (das sind immerhin 175 Tage), das Südliche Afrika, aber auch Marokko und Island. 

Früher war auch Russland sehr beliebt, bis wir es 2022 wegen des Kriegs aus dem SeaBridge Programm genommen haben.

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Die Planung

Am besten ein Jahr vorher damit beginnen

Was sollte man beachten, wenn man so eine Reise mit SeaBridge vorhat?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Unbedingt langfristig planen. Mit den gedanklichen Vorbereitungen sollte man schon 6 bis 12 Monate im Voraus beginnen, es ist ja nicht nur die Reise, es ist ja auch zuhause Etliches zu organisieren. Einbuchen auf ein Schiff sollte man sich dann drei bis vier Monate vor der Reise. Für eine Langzeit-Reise wie die Panamericana Tour sollte man sich ein Jahr im Voraus anmelden, da sie sonst oft schnell ausgebucht ist.

Reisen die Urlauber eigentlich auch zusammen mit ihrem Wohnmobil mit dem Schiff?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Nein, seit Corona ist das leider nicht mehr erlaubt auf den Frachtschiffen. Die Urlauber nehmen das Flugzeug.

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Die Überfahrt

Fest vertaut auf RO/RO-Schiffen

Und wie lange ist das Wohnmobil unterwegs?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Das kommt natürlich auf die Strecke an, von Hamburg nach Kanada sind es 2 Wochen, und die Schiffe fahren jede Woche.

Was passiert mit dem Fahrzeug, wenn es zu schwerem Seegang kommt?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Die Wohnmobile stehen ja nicht im Freien, sondern werden ins Schiffsinnere gefahren und an den Reifen am Boden befestigt. Das ist auch bei hohen Wellen sicher. Die Ausstattung im Fahrzeuginneren muss natürlich auch reisesicher verstaut in den Schränken sein, aber das gilt für den Straßenverkehr genauso.

Die Kunden

Immer mehr junge Leute

Wer macht solche Reisen?

SeaBridge Chefin Denice Heinemann: Der Großteil unserer Kunden sind bereits im Ruhestand – diese haben meist die Zeit, lange zu reisen. Immer öfter haben wir aber auch jüngere Kunden, die sich einen Lebenswunsch erfüllen, etwa ein Sabbatical oder Elternzeit.

Mehr Informationen zu SeaBridge:
Wohnmobil Touren - SeaBridge (seabridge-tours.de)

Auf der Website hat SeaBridge ein einfaches Formular auf dessen stets Basis zwei Kostenangebote für die Verschiffung gemacht werden.

Interview: Gerd Henghuber

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