Mit der Leichtigkeit des Seins

NEXSD One Studie

Auf dem 61. Caravan-Salon zeigte sich neben Vielfalt und der einen oder anderen Innovation vor allem eines: Das Gewicht der Reisemobile drückt Hersteller und Kunden arg. Besonders der Wunsch nach Komfort und technischer Luxusausstattung bringen die Pfunde haufenweise an Bord, viele Anbieter sehen da nur die Flucht nach vorne als Lösung und lasten die Mobile auf, bei 4,1 Tonnen zulässigem Gesamtgesicht darf dann auch die Solaranlage (für mehr Autarkie) oder die luftgefederte Hinterachse (für mehr Fahrkomfort) mit an Bord.

Die Nachteile sind bekannt: Während ein Campervan mit weniger als 3,5 Tonnen Gewicht ganz unbeschwert etwa durch Österreich rollt und für die Nutzung der Autobahn nur eine vergleichsweise günstige Vignette benötigt, brauchen die schwereren Artgenossen die GO-Box, eine elektronische Mauterfassung. Und damit werden für die Strecke Kufstein-Brenner nicht nur 9,60 Euro fällig, soviel kostet das Zehntages-Pickerl, sondern gleich 24,37 Euro. Für die einfache Strecke, wohlgemerkt, zurück will man schließlich auch noch.

Vielleicht zeichnet sich eine Lösung für den Schwerverkehr ab. Das Team von „NEXSD Automotive“ aus Georgsmarienhütte hat einen Aufbau für Reisemobile entwickelt, der komplett aus Aluminium gefertigt wird. Dies ermöglicht eine deutlich höhere Zuladung. Von rund 700 Kilogramm spricht das Führungs-Trio. Vater Markus Dröge ist Geschäftsführer, die Söhne Mathis und Helge leiten Vertrieb und Produktion. NEXSD ist seit 38 Jahren Partner der Autoindustrie und beschäftigt 180 Mitarbeiter.

NEXSD One Studie | © Foto: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger
  • Foto: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger
Der NEXSD One - Studie auf Crafter Basis

Neben dem Gewichtsvorteil bietet die Alukabine weitere Vorzüge. Der Aufbau ist individuell formbar und kann so an das Design des Basisfahrzeug angepasst werden. In der auf dem Caravan Salon gezeigten fahrbereiten Studie NEXSD One finden vier Personen beim Fahren oder Übernachten Platz, außerdem kann ein Motorrad onboard mit auf die Reise gehen. Die Crash-Sicherheit sei besser als bei den üblichen Aufbauten eines Teilintegrierten und das Raumangebot dank der geraden Wände klar größer als bei einem herkömmlichen Kastenwagen. Die Kabine ist skalierbar, lässt sich also an verschiedene Radstände anpassen, eine Zentralverriegelung auch für die Klappen und Türen im Wohnbereich unschwierig realisierbar, heißt es.

Noch ist eine Serienfertigung nicht in Sicht, man wolle auf dem Caravan-Salon die Möglichkeiten ausloten, mit einem der etablierten Hersteller eine Kooperation einzugehen. Optisch zumindest macht der NEXSD One eine gute Figur, vielleicht erleichtert in naher Zukunft tatsächlich das Camperleben. (Michael Kirchberger, aum)

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