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Interview mit der Bloggerin Doreen Düe

"Kochen und Backen im Wohnmobil ist eine Organisationssache."

Ein Anruf bei Doreen Düe, die mit ihrem Partner seit zehn Jahren ständig im Wohnmobil lebt – und kocht.

Drei Jahre Auszeit – das war 2011 der Plan von Doreen Düe und Sven Mohr. Seither sind sie aus ihrem mobilen Zuhause nicht mehr ausgezogen. Und haben gelernt, auf engem Raum zu improvisieren. Das gilt besonders fürs Kochen. Inzwischen betreibt Doreen Düe einen Blog und hat mehrere Kochbücher veröffentlicht. Auf der Reisemobilcouch veröffentlichen wir zwanzig ihrer besten Rezepte – und zwei ganz neue.

Hallo Frau Düe, wo erreichen wir Sie gerade?

Ganz im Nordosten von Portugal, an der Grenze zu Spanien. Ich blicke durch die geöffnete Tür in die Sonne und auf die bergige Landschaft, wir sind hier über 800 Meter hoch.

Sie leben mit Ihrem Mann dauerhaft im Wohnmobil, wie kam das?

Zuerst hatten wir es als ein Projekt von drei Jahren vor: wir wollten Veränderung in unserem Leben, etwas anderes machen, etwas, was uns wichtig ist. Vorher hatten wir feste Jobs und eine schöne Wohnung. Zuerst hatten wir über Auswandern nachgedacht, aber Wohnmobil ist besser: da kommt man raus und rum!

Hatten Sie vorher schon oft Camping-Urlaub gemacht?

Nein, nie, das war völliges Neuland für uns.

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„Backen ist eine Herausforderung im Wohnmobil.“

Also auch das Thema Kochen im Wohnmobil.

Ja, und zwar doppelt: ich hatte früher nicht viel gekocht, habe es eigentlich erst im Wohnmobil richtig gelernt. Aber ich hatte von Anfang an einen Riesen-Spaß daran.

Was sind denn die besonderen Herausforderungen der Wohnmobilküche?

Das Backen! Viele Wohnmobile haben keinen Backofen oder nur einen von schlechter Qualität. Ich bin begeistert vom Omnia-Backofen, den man einfach auf den Herd stellt. Ich backe damit alles, Kuchen, Gebäck, Brot. Gerade wenn man länger auf Reisen in südlichen Ländern ist, vermisst man doch sehr dunkles oder Vollkorn-Brot.

Ist nicht der enge Raum die größte Schwierigkeit fürs Kochen im Wohnmobil?

Es ist letztendlich eine Frage der Organisation, aber das ist das ganze Leben im Wohnmobil. Da muss mal das Bett als Ablage herhalten und der Partner nach draußen.

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„Baiser kann man auch in der Windschutzscheibe trocknen.“

Gibt es Dinge, die gar nicht gehen?

Ja, sehr dünnes Gebäck, das auf ein Backblech gehört. Ich habe aber auch schon Kekse in der Pfanne gebacken, das geht.

Sie sind eine Improvisationskünstlerin!

(Lacht) Vielleicht, ja, Baiser habe ich schon in der Windschutzscheibe getrocknet, Pizza in der Pfanne gemacht und Brot im Topf. Es geht sehr viel, wenn man ein bisschen nachdenkt.

Wie ist das mit den Gerüchen?

Ja das ist für Wohnmobilbesitzer ein großes Thema, deshalb kochen viele auch nie oder selten. Seltsamerweise hatten wir noch nie unangenehmen Geruch, obwohl ich auch viel brate, sogar Pommes oder Berliner im Fett gibt es immer wieder mal. Man muss halt gut lüften, ich koche direkt an der geöffneten Schiebetür, da zieht das sehr gut ab.

Kochen Sie auch für andere?

Ich habe schon mal acht Leute bekocht aus dem Wohnmobil heraus, das geht. Auch wenn wir nur zu zweit sind, koche ich meistens für mehrere Tage im Voraus.

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"Ich habe noch eine lange Liste von Rezepten, die ausprobiert werden wollen."

Vermutlich kommen bei Ihnen auch viele regionale Spezialitäten auf den Tisch?

Ja, ich lasse mich von jedem Land, in dem wir sind, inspirieren, probiere neue Rezepte aus, lerne besondere Zutaten kennen. Im Sommer fahren wir meistens durch Portugal und Nordspanien, im Winter sind wir oft in Marokko. In beiden Gegenden mögen wir die Küche sehr. Aber auch Spätzle und Knödel kommen oft auf den Tisch, und die gibt es dort ja nicht fertig zu kaufen, ich muss sie also selbst zubereiten.

Wie kamen Sie auf die Idee für Ihren Blog?

Kochen ist auf dem Campingplatz immer ein Thema, und ich wurde oft gefragt, wie ich was mache, Mit meinem Blog möchte ich zeigen, was auf dem engen Raum einer Wohnmobilküche alles geht, und wie man dort sehr lecker kochen kann.

Gehen Sie auch noch ins Restaurant?

Sehr selten, wir stehen ja meistens abseits von Orten in der Natur. Außerdem schmeckt es uns meistens besser zu Hause, und ich habe noch eine lange Liste von Rezepten die ausprobiert werden wollen.

Und was sind Ihre Lieblingsrezepte?

Hefeschnecken mit Brombeerfüllung, marokkanisches Omelett, Fladenbrot aus der Pfanne, Mango-Torte, Kichererbsensuppe, Kaffeeaufstrich, Quiche, Sie sehen, das geht querbeet. Zwanzig meiner besten Rezepte und zwei ganz neue habe ich für die Reisemobilcouch zusammengestellt.

Vielen Dank für das Gespräch und einen guten Appetit!

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Interview: Gerd Henghuber